Besuchsdienst BKH Augsburg

Besuchsdienst im BKH Augsburg
Geschrieben am 05.02.2012 um 12:27

Liebe Mitgliedinnen und Mitglieder,

wir sind dabei, im Bezirkskrankenhaus demnächst mit regelmäßigen Besuchen zu beginnen, die zur Information der Patienten über unseren Selbsthilfeverein dienen sollen,
sowie dem Austausch mit ihnen über deren wie unsere Psychiatrieerfahrungen.

Es wäre schön, wenn sich einige unserer Mitgliederinnen bereitfinden würden,
daran teilzunehmen und mitzuwirken. Über das Wie und Wann sind wir derzeit im Gespräch mit der Pflegedienstleitung des BKH. Grundsätzlich ist daran gedacht, diese Besuche für die offenen Stationen wöchentlich, an einem bestimmten Tag (von MO – FR) abends in der Zeit von 18 – 20 Uhr im Bereich des >Café Lichtblick< regelmäßig durchzuführen. Das heißt, daß interessierte Patienten dort zu uns kommen und Kontakt aufnehmen können.

Patienten der geschlossenen Stationen C1 und C2 sollen regelmäßig jeweils Samstag nachmittags innerhalb der Station Gelegenheit haben, mit uns Kontakt aufzunehmen.Näheres werden wir noch mit der Pflegedienstleitung des BKH absprechen. Wer sich am Besuchsdienst beteiligen möchte, solls uns sagen und tun!

Für Fragen stehen bereit:
Siehe: Impressum / Kontakt

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Nach Gesprächen mit der Pflegedienstleitung des BKH Augsburg am 9. 2. 2012
(Teilnehmer von SAP: Inge, Angelika, Günter)
im Rahmen der dortigen Stationsleiterkonferenz wurde beschlossen, daß der Besuchsdienst am

Mittwoch,
dem 29. Februar 2012,
von 18. 00 bis 20.00 Uhr
für die offenen Stationen sowie am

Samstag, dem 3. 3. 2012
von 15.00 bis 17.00 Uhr
in den Stationen C1 und C2

erstmals stattfinden wird.
Günter.

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Kurzbericht Nummer Eins (29. 2. / 3. 3. 2012)

Wie geplant haben letzte Woche nun die ersten Besuche stattgefunden.

Am Mittwoch abends waren fünf Mitglieder im BKH, die ‚Erfolgsquote‘ gestaltete sich allerdings eher bescheiden:
Niemand wollte mit uns sprechen.

Wir haben festgestellt, daß wir unsere Vorgehensweise etwas verändern sollten:

Wir waren einfach im Lichtblickbereich ‚rumgesessen‘, wir hatten uns darauf verlassen, daß die in allen Stationen angebrachten Plakate mit unseren Besuchszeiten ihre Wirkung schon tun würden – hat aber leider nicht wie erhofft geklappt.

Samstags liefs dann etwas anders:
Weil die Patienten der geschlossenen Stationen C1 und C2 der Sachlage entsprechend nicht so leicht ausweichen können, hat der dortige Besuch einige erste Kontakte ermöglicht.

In einem Fall hat das sogar dazu geführt, daß eine Patientin spontan die Aufgaben des Besuchers übernahm, indem sie sich die Info-Kärtlein unseres Vereins griff und selbst unter die Leute brachte.

Bei den Besuchen in der kommenden Woche werden wir es also etwas anders machen:

Bevor wir in der Lichtblick-Gegend Platz nehmen, werden wir durch die einzelnen Stationen tingeln, und dort kurz unsere Anwesenheit verkünden.

Vor allem werden wir mit Geduld und Ausdauer weiterarbeiten, entsprechend der alten Weisheit, daß gute Dinge meistens einige Weile haben müssen.

Und wenn es gelingen kann, im Lauf der Zeit mehrere PatientInnen dafür zu gewinnen, daß sie selber innerhalb ihrer Stationen über uns reden und berichten, dann wird dies wahrscheinlich der beste Weg sein, unseren Besuchsdienst so nach und nach fest im BKH Augsburg zu etablieren.

Jedenfalls erscheinen die Stationen C1 und C2 als die geeignetsten ‚Keimzellen‘ für unser Vorhaben:

Diejenigen, die wir dort für uns interessieren können, werden aller Wahrscheinlichkeit nach
im Falle ihres ‚Umzugs‘ auf eine offene Station auch dort ihre verstärkende Funktion ausüben.

Mal sehen,
ich laß wieder von mir hören.
Nächste Woche dann!

Günter.

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Kurzbericht Nummer Zwei (7. / 10. 3. 2012)

Am Mittwoch, 7. 3., stellte sich die Situation umgekehrt dar als in der Woche zuvor:

Der Berichterstatter hatte sich, weil verschiedenen Umständen zufolge ohne weitere Begleitung erschienen, auf einen eher einsamen Abend eingestellt, aber denkste:

Zuerst kam einer vorbei, der ankündigte, nächste Woche vorbei zu kommen;
dieses Mal habe er noch was anderes vor.

Kurz darauf kamen vier Patientinnen, nahmen Platz, und es entwickelte sich ein langes gutes Gespräch, inclusive einer ausführlichen Rauchpause.

Die vier Damen, denn um solche handelte es sich zur nicht geringen Freude des Berichterstatters durchweg, erwiesen sich als Frauen, die sich nicht scheuten bzw. scheuen, trotz der allseits bekannten, üblichen anfänglichen Hemmungen, mit ihren jeweiligen Damen und Herren DoctoressInnen darüber zu disputieren, ob Medikamente überhaupt, und wenn, dann wieviel davon, eingenommen werden sollen.

Und die vor allem, wie sie übereinstimmend und absolut glaubhaft versicherten, sich auch früher oder später – so ganz lockerleicht wollten die Doktoren sich im Einzelfall nicht immer ‚geschlagen geben‘ – damit jeweils auch im Wesentlichen durchsetzen konnten.

Das spricht einerseits für die Damen, andererseits aber auch ganz klar für die Doctores/Innen, weil es Patienten dazu veranlaßt, ihre Gedanken zu sortieren, (wiederholt) zu überdenken, und sich dennoch, ihre Selbstverantwortlichkeit wahrnehmend, anschließend so zu entscheiden, wie sie sich, im Einzelfall, dann jeweils entschieden haben.

Wenn also Ärzte und Ärztinnen den PatientenInnen auf diese Weise bei der eigenen Entscheidungsfindung zur Seite stehen, und diese dann, wenn getroffen, weiter (kritisch wie achtsam) begleiten und somit unterstützen – paßt doch, daran ist nichts Verkehrtes, oder?

Das hätte es früher, – zu des Berichterstatters eigenen wilden Psychozeiten schon gar nicht – keinesfalls gegeben, das ist auch heute noch lange nicht immer und nicht überall der Brauch. Nicht mal unbedingt auf den verschiedenen Stationen des ein und selben Krankenhauses. Das hängt nach wie vor von der persönlichen Eignung wie Einstellung, den Erfahrungen einer Ärztin, eines Arztes ab – wovon denn auch sonst? Und zwar: Verständlicherweise.

Dasselbe gilt, selbstverständlich, ebenso für die MitarbeiterInnen im Pflegebereich.

Die eine und andere Dame meinte gegen Ende des Gespräches, das zum Teil durchaus auch einiges an Kritik am Verhalten einzelner Mitarbeiter des BKH, ob aus dem ärztlichen oder dem pflegerischen Bereich, enthielt, sie würde demnächst mal unser Sonntagscafé besuchen.

Am Samstag, 10. 3.,
hatte der Berichterstatter beim Besuch in den Stationen C1 und C2 das in der Woche zuvor schon festgestellte leichtere Spiel, einerseits, weil ja niemand davon kann …

Es ergaben sich Gespräche mit mehrerern der dortigen PatientInnen, überwiegend eher locker und oft humorvoll, andererseits aber auch eine längere Begegnung mit einer Patientin, die mich sehr berührt hat, die sehr intensiv war, und der Rest ist deshalb für dieses Mal: Schweigen.

Günter.

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Kurzbericht Nummer Drei

Bericht über Besuchsdienst SAP 14./ 17./ 21. 3.

Zu Beginn: Kurzdialog Patientin/Besucher:

P: Diese Schweine geben mir ja überhaupt nix!
B: Ja, was hättest du denn von ‚diesen Schweinen’ gewollt?
P: Hmm …: Nix!
B: Dann hast du doch bekommen, was du wolltest: Nix!
P: Ach, du verstehst mich einfach nicht!
(Aufseufzend, mit tief bekümmertem Blick in die Augen des B)
Wer mit ‚diese Schweine’ gemeint war, blieb unklar;
was mit ‚Nix’, dazu erfuhr der B: Nix.
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Besuche in den geschlossenen Stationen C1/C2 haben so ihre Besonderheiten:
Einerseits, auch wenn sich das leicht absonderlich anhören mag, etwas Entspannendes: Hier ist, zuweilen!, gut sein, wie frauman gerade so ist.
Jede/r kann sagen – eher selten tun allerdings! – wonach ihr/ihm im jeweiligen Augenblick zumute ist. Das führt zu oft skurrilen Momenten von Humor, Lachen, durchaus auch Philosophischem von mehr oder weniger Bedeutung.

Andererseits gibt es, und das vorwiegend, diese Augenblicke, in denen der Besucher tiefe Berührung empfindet:

Augenblicke der Verzweiflung, der Traurigkeit, des Weinens
– des Weinens von Tränen über verlorene oder auch nur verloren geglaubte Hoffnungen, in denen sich menschliches Elend unverhüllt ausdrückt
– in denen ein Besucher kaum etwas anderes tun kann, als sein Gegenüber in die Arme zu nehmen,
– wenn dieses es zulassen mag, es sich selbst wünscht; nur dann
– in der Hoffnung, daß sich die eigene Ruhe und Zuversicht, der Wunsch und die Hoffnung auf Besserung, auf Gesundung,
– und wärs auch nur für diese kurzen, aber intensiven Augenblicke, in denen sich da, durch die Berührung der Körper ermöglicht, sich Seelen berühren und einander in Übereinstimmung und Zuneigung begegnen können
-möge sich auf den Menschen übertragen, der/die da so sehr in Not ist.

Es sind dies die Augenblicke, in denen ein Besucher erfahren und bestätigt finden kann,
daß seine Bemühungen Sinn haben. Das Vertrauen, das ihm, dem bis dahin Unbekannten,
da so rasch und unmittelbar entgegengebracht wird, kann dem Besucher neben der Bestätigung, sich auf einem, seinem?, richtigen Weg zu befinden, der tiefste und schönste Anlaß sein, diesem Zutrauen gerecht zu werden – so weit es ihm selber möglich ist, und seine eigenen Kräfte nicht im Übermaß beansprucht oder gar übersteigt.

Statistik und Bericht:

Mi, 14. 3.:
Drei Besuchsdienstler anwesend;
Patienten, die die Besucher besuchten: Null.

Sa, 17. 3.:
Bei schönem Wetter im gemeinsamen Hof der C1/C2
in gewissermaßen ‚Biergartenatmosphäre’ Unterhaltung mit einigen Patienten, die dem Besucher zum größeren Teil bereits bekannt waren/sind.

Fragen im Zusammenhang mit Betreuungen/Betreuern erörtert,
die Umstände einer Unterbringungsmaßnahme mit einer Patientin besprochen,

Im Gespräch mit einer Patientin in deren Zimmer, in der Anwesenheit ihrer Zimmergenossin, wurde die Szene von einer Pflegekraft unterbrochen, die, ohne sich per Klopfzeichen angekündigt zu haben, plötzlich im Zimmer erschien und behauptete, daß ‚das’ sie etwas anginge, weil sie nämlich stets wissen müsse und wolle, wies ‚ihren’ Patienten so erginge. Daß in Person des Besuchers schon jemand anwesend war, der sich ums momentane Ergehen der Patientin kümmerte, wollte sie erst bemerken, als dieser bemerkte und darauf hinwies, daß er zu eben diesem Behufe anwesend sei.

Die Pflkr beharrte daraufhin darauf, daß ‚das’ zuvörderst sie etwas anginge. Später merkte der Besucher, daß diese Pflkr eigentlich gar keine so üble ist, sie hatte wohl – in der Meinung, in guter Absicht ihre Pflichten zu erfüllen – ganz einfach routiniert leicht daneben gehandelt. So empfands halt der Besucher letztlich: Anklopfen hätte sie zumindest sollen.
(Mal mit anderen Besuchern reden, was die so erleben!) (Und auch mal mit den Pflkrä-en drüber plaudern, in der nächsten Stationsleiter-konferenz womöglich, im nächsten Trialoggespräch im Juli sowieso.)

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Mi, 21, 3.:
4 BesuchsdienstlerInnen; BesuchsbesucherIn-/PatientIn-nen: Nullkommafünf.
(Resultat: Begriff `Psychiatrieerfahrene’ sehr kontraproduktiv! Weg damit!)

Am Ende: Kurzdialog Patientin/Besucher:

P: Duu, ich hab manchmal soo perverse Gedanken!
B: Darf ich mich jetzt freuen, oder muß ich mich fürchten?
P: Du darfst dich freuen!!!
(Nach kurzem Sinnieren, mit freudig-innigem, wiederum tiefem, Blick in die Augen des B )

Kurz danach ließ ich mich von einer Pflkr aus dem Haus,
das meist verschlossen ist, befreien.
Dadurch bin ich zwar der angekündigten Freuden
der Perversionen verlustig gegangen,
aber das ist nicht weiters schlimm:
Die P: wartet wohl schon noch ein Weilchen auf mich,
so schnell wie ich jedenfalls wird sie diesen besonderen,
diesen sonderbaren Ort der Absonderung von der Welt,
wohl nicht verlassen können.

Günter. Smile

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